Eine Runde Gemaccer

Ich und mein Computer,
wir waren mal ein Team.
Plastik mit dem Apfel,
ich werd dich nie versteh'n!
Deichkind

Leos Schule macht einen auf BYOD, die Schüler brauchen also alle ihr eigenes Notebook in der Sekundarstufe. In der Grundschule haben sie alle in der Klasse Chromebooks und im Onlineunterricht ist Leo mit einem älteren Thinkpad mit Linux und XFCE4 sehr gut zurechtgekommen. Jetzt lautet die Policy “nur Windows oder Mac”. Da könnte ich mich ja schon länglich drüber aufregen, aber angesichts der Reaktion auf meinen Vorschlag, die semioffizielle Elterngruppe mal von WhatsApp auf was weniger datenkrakigerers zu verlegen (nämlich exakt null, sowohl von Eltern als auch Direktorat) habe ich momentan keinen Nerv, von Ferne auch hier den OS-Freiheitskämpfer zu geben.

Außerdem gab’s hier grad günstig MacBook Airs (MacBooks Air?) mit M1-CPU, die ja schon ganz cool ist, und ich habe selber lang kein aktuelles OSX bedient, von daher war ich auch mal neugierig und habe eins erstanden und rudimentär eingerichtet.

OMFG.

Beim Erststart kommen schon ein Haufen Fragen – alles halbwegs sinnvoll, aber auch nicht einfacher als aktuelle Linux-Distributionen. Sowas wie Plattenverschlüsselung ist wohl gar nicht erst vorgesehen?! Das macht ja selbst Windows besser. Schön auch, dass “English (Sri Lanka)” die einzig auswählbare Option ist, wenn man angibt, sich in Sri Lanka zu befinden. Abgesehen vom voreingestellten Sinhala, das man immerhin entfernen kann, aber kein Tamil (hätte man vielleicht noch hinzufügen können, hoffe ich zumindest). Dann will er eine “Apple ID” erstellen, das braucht man wohl. Alle Daten eingegeben, incl. Geburtsdatum, Telefonnummer und Email-Adresse (srsly?! 😡), und er will immer noch mehr: eine Rechnungsadresse, obligatorisch selbst wenn man “None” als Bezahlungsmethode (für was eigentlich?) auswählt. Da gibt er sich mit Fake-Daten zufrieden, verifiziert nur mit verschickten Codes, dass Email und Telefonnummer stimmen, meldet am Ende aber irgendwas in Richtung “Could not save your data” – man kann’s nicht wirklich lesen, weil der Dialog nur kurz aufpoppt und sofort wieder weg ist. Aber dann geht’s irgendwie trotzdem weiter, man erstellt seinen Account mit was anderem als dem dämlichen Standardvorschlag für den Benutzernamen und die Kiste läuft. Tolles Display, solang keine Sonne drauf scheint. “Eindeutig: Spielcomputer” hieß es beim Amiga immer angesichts des nicht entspiegelten Bildschirms.

Nachdem er dann eine Weile gelaufen ist, merkt er auch gleich, dass es da Software zu aktualisieren gibt. Auf die Notification geklickt, Apple-Store geht auf, und da ist auch schon ein “Update All”-Knopf. Sehr intuitiv. Daraufhin meint der Store, man möge sich doch mit seiner Apple ID einloggen. Die, die vorhin nicht geklappt hat, weswegen da jetzt “local” vorausgefüllt ist. Das mit dem Accountpasswort funktioniert schon mal nicht, also brauch ich wohl tatsächlich eine Apple ID, bloß um ein paar Systemprogramme zu aktualisieren. Zum Glück ist da ein Button “Create Apple ID”, der zu einem Formular führt, das dem beim Einrichten sehr ähnlich sieht. Alles ausgefüllt, brav die 2FA-Codes wieder verifiziert – Fehler: “We ran into a problem. Please try again later”. JA SUPER! Bloß nicht sagen, was das Problem war, das könnte den Benutzer beunruhigen! Trying again later funktioniert natürlich auch nicht. Gut, dass nur ein halbes Dutzend Apps zu aktualisieren war, denn der Login-Request, den man nicht erfüllen kann, kommt für jede einmal, ohne dass man das abbrechen könnte.

Gehen wir halt die Konkurrenz fragen. Google findet mir gleich eine Seite, wo man eine neue Apple ID per Browser erstellen kann. Wieder den ganzen Tanz mit SMS und Emails und Trallalla, und auf einmal sind wir nicht wirklich weiter aber ein bisschen klarer: das geht nicht, weil Leo zu jung ist! Ja hättet ihr mir das nicht verfickt noch mal gleich sagen können?! Vielleicht gleich bei der Eingabe des Geburtsdatums? Himmelarschundwolkenbruch. Nee klar, “Ein Fehler ist aufgetreten”. Aber das konnte Apple ja schon in den 90ern gut: “Die Anwendung wurde unerwartet beendet, weil Fehler -2 aufgetreten ist”.

Zwischendurch hab ich dann Leo per Safari an seinem Schul-Google-Account angemeldet, weil das erstmal wichtiger war als die Updates. Das ist vermutlich alles schön special-cased in Safari, so dass der Browser gleich mit der Frage kam, ob ich denn auch andere Anwendungen diesen Account benutzen lassen wolle. Wollte ich mal, und prompt sind Mail, Kalender, Notizen etc. damit eingerichtet. Das fluppt durchaus – kaum trägst du deine Daten zum Markte, bieten dir alle wunderschönen Komfort dafür!

Zurück zu der Apple ID. Man muss also wie ich lese einen Erwachsenenaccount anlegen und Kinder dann per “Family Sharing” irgendwie ins Boot holen. Immerhin, jetzt kann ich mich selber anmelden, nachdem ich das 20-Zeichen-Passwort fast auswendig kann, so oft hab ich’s eingegeben. Wie macht man nun dieses Family Sharing? Jahaaa, das wäre zu einfach, wenn man das jetzt auch per Browser könnte! Dafür braucht man Apple-Hardware. So ein Zufall, da hab ich gerade eine da. Ich muss also das Notebook erst mal mit meinem Account benutzen, dann damit Family Sharing an und Leo eine ID machen, und dann hoffen, dass ich diese Verknüpfung wieder lösen und stattdessen Leos ID benutzen kann.

Im Apple Store kann ich mich jetzt einloggen, nachdem ich einen per SMS empfangenen Code eingegeben habe. Leider ist das nicht der relevante Login fürs Family Sharing, und andere Apps dürfen zwar gleich auf den Google-Account zugreifen, aber den Apple-Account können sie wohl nicht gemeinsam benutzen. Na gut, also nochmal: Apfelmenü, System Preferences, Passwort, SMS, klappt. Jetzt hab ich da einen “Apple ID”-Knopf, und wenn ich den drücke, sagt er mir nicht direkt irgendwas über meine Apple ID, aber immerhin welche Apps iCloud benutzen. Sowas wie “Stocks”, “Home” und “Safari” z.B. – man frage mich bitte nicht, was das bedeutet, dass “Home” jetzt “iCloud benutzt”, ich habe keinen blassen Dunst. “Mail” benutzt iCloud angeblich nicht. Ich wüsste auch nicht, wozu, aber das kann man ja mal ausprobieren. Also Haken gesetzt, und schon soll ich mir eine @icloud.com-Adresse aussuchen, die, wie Apple mich warnt, nach dem Einrichten nicht geändert werden kann. Äh, was? Das muss dieses Immutable Object Pattern sein, von dem man immer hört. Unter dem Menüpunkt “Name, Phone, Email” kann ich aber mein Geburtsdatum ändern, wenn sich das mal ändern sollte, das ist nett von Apple. Wer braucht schon neue Email-Adressen? Das ist per Definition alles intuitiv und leicht bedienbar, das hätte meine Großmutter gekonnt, keine Frage!

Und dann poppt aus dem Nichts (gut, vielleicht hab ich was gemacht, aber wahrscheinlich hat bloß irgendwas festgestellt, dass ich jetzt iCloud kann) diese Nachricht auf:

Do you want to merge Safari with iCloud? Your information on this Mac will be uploaded and merged with the Safari stored in iCloud.

Was jetzt? Ich dachte eigentlich seit Ewigkeiten, Safari sei der Browser von Apple. Jetzt gibt es also ein Safari, das “in iCloud gespeichert” ist, und mit dem man unspezifizierte (alle!?) Informationen auf meinem Mac zusammenführen kann um … was genau zu erreichen? Ich vermute ja, es geht ihnen darum, Bookmarks etc. per iCloud zu synchronisieren. Aber während “kryptischer Jargon” wie, sagen wir

no matching key exchange method found. Their offer:
diffie-hellman-group14-sha1,diffie-hellman-group1-sha1"

mit maximal etwas Nachlesen klar zu interpretieren ist, kann man bei so einem Geschwafel wirklich nur raten. Diese seit über siebeneinhalb Jahren unbeantwortete Frage ist entsprechend auch das einzige, was man dazu so findet.

Wie ich übrigens den Screenshot von der Dialogbox gemacht habe? Na das geht ganz einfach auf dem Mac, Command-Shift-3 natürlich! Nicht so komplizierte Sachen wie “Druck” oder “PrtSc” auf Frickelbetriebssystemen. Man muss nur auf die Tastatur schauen, dann nochmal schauen, ein bisschen fluchen, Google fragen, einen Blog-Rant drüber schreiben, damit man sich das auch merken kann, und schon geht das. Intuitiv. Wenn man das gemacht hat, erscheint ein Thumbnail davon irgendwo beim Mülleimer. Wenn man da draufklickt, öffnet sich brav ein Malprogramm, wo man ihn zurechtschneiden und per Mail verschicken kann. Das macht da natürlich ein JPEG draus, während der Screenshot selber (immerhin!) ein PNG ist. Dafür kommt aber ein schönes WUSCH! in räumlichem Stereo aus dem Lautsprcher, wenn die Mail raus geht. Prioritäten!

Mit dem Family Sharing bin ich immer noch nicht wirklich weiter. Zwar habe ich das anschalten können, aber ich bin immer noch der einzige in der Familie. Der Versuch, Kinder hinzuzufügen (Partner sind wohl nicht vorgesehen), führt hierzu:

Cannot connect to iCloud. Try again later.

Wie man an der fetten Schattierung sehen kann, liegen da ca. 30 identische Dialoge übereinander. Davon geht nämlich ca. alle zwei Sekunden einer auf, wenn man den ersten nicht sofort wegklickt, und zwar während die Internetverbindung vollkommen OK ist. Es gibt bestimmt einen einleuchtenden Grund dafür, den OSX mir aber rücksichtsvoll verheimlicht. Klickt man sie weg, wird man wieder zum Play Store geschickt, um endlich doch eine Bezahlmethode einzutragen. Völlig klar, Leute ohne Kreditkarte sollten keine Kinder haben dürfen.

Parental Consent: to provide consent to create this child account, a payment method is required. You can add a payment method by going to the App Store on this Mac.

Mal sehen, ob ich dazu in absehbarer Zeit den Nerv habe. Bis dahin arbeitet Leo halt unter meinem Account 🤦

Mutantenstadl

COVID mal wieder, man redet ja kaum über was anderes. Hier war seit dem Wiederaufflammen in Minuwangoda im Herbst nie so richtig Ruhe, aber eigentlich ging das Leben relativ normal seinen Gang. Man konnte an den Strand fahren (das ist jetzt seit der X-Press Pearl-Katastrophe eh gestrichen), radeln gehen, einkaufen, und die Schulen waren wieder offen. Aber seit die diversen Mutanten v.a. aus Großbritannien und Indien hier angekommen sind, geht’s steil aufwärts:

COVID-Fälle 02/2020–06/2021

Die Intensivstationen sind seit Mai komplett voll, so dass auch der anfangs komplett unwillige Präsident dem Druck der Public-Health-Experten nachgeben und sowas wie eine Ausgangssperre verhängen musste. Das heißt, Ausgangssperren gibt’s ja keine mehr, weil irgendwem aufgefallen ist, dass das verfassungswidrig wäre. Jetzt gibt’s das selbe in grün unter dem schön verfassungskonformen Namen “Reisebeschränkungen”. In grün deswegen, weil sich die Strategie geändert hat: wahrscheinlich hat jemand gesagt, von Deutschland lernen heißt siechen lernen, und jetzt fahren wir hier auch so eine Verwirrungsstrategie, damit das Virus nie weiß, mit welcher neu durchs Dorf getriebenen Sau es morgen zu tun haben wird.

Erst hieß es, die Reisebeschränkungen™ würden ganz ganz strikt und nur die essenziellen Dienste aufrecht erhalten. Dann stellte sich raus, dass so einiges mehr als “essenziell” gilt als letztes Jahr – z.B. unser Nachbar, der Zuckerwassermarketinggedöns für Coca-Cola macht, geht jeden Tag ins Büro weil die ganze Firma eine Genehmigung zum weitermachen hat. Ganz klar, ohne Coke geht die Wirtschaft zugrunde. Oder zumindest die Freundschaft des Chefs mit wesentlichen Regierungsmitgliedern.

Letztes Jahr kam man sich z.T. wie in einer Geisterstadt vor; jetzt gibt’s manchmal sogar weiter Stau auf den Hauptstraßen. Dass sie jeden Tag die Zahl der wegen Ausga– ‘schuldigung, Reisebeschränkungsverstößen verhafteten an die Presse geben, hat nicht viel dran geändert, dass sich bei so vielen Ausnahmen auch Leute dazwischenmogeln, die eigentlich noch weniger essenzielles zu tun haben als Zuckerwasser zu verkaufen. Auch nicht, dass sie Polizei an die Straßen stellen und gefährlich aussehen lassen. Bei so einer Straßensperre wie aus dem Lehrbuch würde man in Deutschland vermuten, dass sie mindestens einen IS-Anführer suchen: eine Spur blockiert, im Hintergrund ein Chef mit Lametta an der Uniform, zwei bis drei Bewaffnete, die Leute rauswinken, und 20m weiter steht noch einer mit Flecktarn, Sonnenbrille und beiden Händen an der Kalaschnikow. Aber an martialisches Auftreten wegen Pillepalle gewöhnt man sich halt schnell.

Vorgestern haben sie sich bunte Aufkleber für kontrollierte Autos einfallen lassen. Die Kriterien, nach denen die zu kontrollierenden ausgewählt werden, sind wohl bei allen Polizisten ziemlich ähnlich, so dass am Ende immer die selben an jeder Straßensperre kontrolliert wurden und die anderen gar nicht. Den Tag zuvor hatten sie angefangen, irgendwelche Aufkleber zu verteilen, bis ihnen aufgefallen ist, dass die Leute ihre Aufkleber ja nicht nachts abmachen, so dass man am nächsten Tag nicht weiß, wann jemand kontrolliert wurde. Das war ihnen wirklich nicht klar, hat der Polizeisprecher so gesagt:

Police Spokesman DIG Ajith Rohana said a new sticker with a different colour will be issued today, which will be valid only for the day. He said the Police were able to identify the shortcomings of the system that was introduced yesterday, with it being rectified and implemented today.

Jetzt muss man zum bescheißen zumindest einen Block Post-It und eine Schere kaufen.

Außerdem hieß es, der gesamte öffentliche Verkehr inklusive Taxis (d.h. auch Tuktuks) würde eingestellt – vermutlich ist es den verantwortlichen Superhirnen kurzzeitig entfallen, dass eher wenige Beschäftigte bei den essenziellen Diensten einen fahrbaren Untersatz haben. Unklar war dann, ob das rechtzeitig jemandem aufgefallen ist, oder ob sie das bloß den Transportunternehmen mitzuteilen vergessen haben, jedenfalls gab’s ganz normal Taxis dieser Tage.

Zwischendurch wird immer mal wieder laut darüber nachgedacht, ob man “lockern” sollte (schätze, das Wort hat in Deutschland mittlerweile Chancen auf den Titel “Unwort des Jahres”), was dann angesichts der nicht zurückgehenden Fallzahlen zum Glück nicht passiert. Mittlerweile verharren die mit ca. 3000 am Tag immer noch Größenordnungen über dem Niveau vom letzten Jahr. Es bleibt also auf niedrigem Niveau spannend.

So, jetzt muss ich aber auch mal wieder Radl-Content bringen, genug des absurden Theaters.

Freedom Frei's

Ich hab mich getäuscht mit der Ausgangssperre: sie haben sie tatsächlich wieder aufgehoben! So generell jedenfalls; ein paar infektiösere Gebiete haben immer noch eine, aber das ist jetzt sehr stark beschränkt, z.T. sogar auf einzelne Hochhäuser, die sie jetzt isolieren. Und nachdem Colombo wegen der Bevölkerungsdichte natürlich der große Infektionsherd ist, haben sie die Western Province abgeriegelt – man darf nur noch rein, aber nicht mehr raus.

Mittlerweile haben sie auch die Testkapazitäten deutlich ausgebaut. Von Anfang März hatte ich von jemandem gehört, der sich mit diversen Leuten vom Gesundheitsministerium unterhalten hat, dass sie dachten, ein Labor reicht schon. Genaugenommen eine Person – die Aussage war so etwa “ja, das testen macht bei uns der Dr. XY vom Medical Research Institute”. Ende des Monats hatten sie dann immerhin schon drei Krankenhäuser dafür ausgerüstet, und jetzt machen sie so um die 70.000 Tests pro Woche. Immer noch gut 1/4 der Kapazität in Deutschland, aber OK: PCR-tests 2020/11/11

Mit Glück sind wir dann im März wieder wo wir vor 6 Wochen schon waren. Allerdings war die Prognose auch schon mal bei Juni, es wird also wohl schneller besser als gedacht: COVID-19 trend

Déjà Curfew

Seit Donnerstagnacht haben wir mal wieder Ausgangssperre. Nachdem Sri Lanka mittlerweile monatelang eine Oase der Gesundheit gewesen war und die letzten Ansteckungen außerhalb der Quarantänezentren irgendwann im Juli gemeldet worden waren, hat eine Textilfabrik mit diversen Kontakten nach Indien die Pandemie jetzt wieder zurück gebracht, und diesmal sieht es so aus, als hätten sie die Sache wirklich außer Kontrolle geraten lassen.

Vom 20.3. bis 28.6., gut drei Monate, war ja hier schon mal Ausgangssperre, und wenn ich so Berichte wie aus Melbourne lese, muss ich mich schon ein bisschen wundern.

“I think it’s hard to think of another community anywhere else — I think internationally as well — that’s been so stoically accepting of the very strict restrictions they faced,” said Paul Strangio, a professor of politics at Monash University in Melbourne. “They’ve made a decision, Victorians, that health had to be put first.”

Das war voll hart in Melbourne, liest man da. Schulen, Geschäfte und Kirchen zu, man durfte ohne Erlaubnis nicht mehr als drei Meilen von zu Hause raus, zuerst nur eine Stunde am Tag, dann später zwei, und nachts war Ausgangssperre.

Die Regeln in Sri Lanka waren etwas einfacher: “Ihr geht nicht aus dem Haus. Nein, auch nicht gassi oder joggen oder so. Gar nicht.” Klar gab’s Ausnahmen, i.W. drei:

  1. du arbeitest irgendwas essenzielles
  2. du musst dringend zum Arzt, zur Apotheke oder zum nächsten Geldautomaten
  3. du gehst zur Polizei, um dir eine Erlaubnis zu holen

Ich habe mir zweimal ein Permit geholt, um auf die Bank zu gehen, weil wir unsere Miete ein Jahr vorauszahlen müssen, und da gab’s ein Überweisungsproblem – sowas ging dann schon. Aber sonst war wirklich kein Mensch unterwegs, und allein auf den etwa 4km zur Polizei waren drei Straßensperren, wo sie einen auch wirklich angehalten und gecheckt haben. Anfangs hieß es noch, die Supermärkte sollten ein paar Tage die Woche öffnen dürfen, aber es hat sich schnell herausgestellt, dass das die ohnehin nicht sonderlich ausgeprägte Fähigkeit der Sri Lanker zum Social Distancing vollends zunichte macht, und wenige Tage später waren die auch zu und Essen gab’s nur per Lieferservice. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Zumindest den ersten Monat musste man zwar das meiste im Paket kaufen, weil sie’s personell und technisch nicht hingekriegt hätten, individuelle Bestellungen im Internet entgegenzunehmen, zusammenzustellen und auszuliefern, aber das wurde mit der Zeit auch besser. Das war dann anfangs immer “Große Gemüsetüte (10kg)” oder “diverses Obst” und man konnte sich überraschen lassen. Selbst für meinen Begriff monströse Mengen an Chili waren immer dabei, aber die sind wir leicht an die Nachbarn losgeworden – so weit haben wir das Haus dann schon verlassen können. Die Kinder konnten in der Sackgasse ohne Durchgangsverkehr meistens eine Stunde am Nachmittag raus, die hätten sonst echt durchgedreht.

So haben sie die erste Welle relativ schnell zum verebben gebracht, mit gut 2000 Kranken und 13 Toten (dazu kamen über die Wochenn immer noch diverse infizierte Srilanker, die sie aus dem Ausland zurückgeholt haben, aber keine lokale Ansteckung mehr). Den Leuten geht es immer noch nicht gut und ich habe keine rechte Ahnung, wieviele die offiziell zur Verfügung gestellten Hilfen von irgendwas um die 40% vom jeweiligen Lohn wirklich erhalten haben. Aber bei den geringen Krankenhauskapazitäten (vom testen ganz zu schweigen) wäre alles andere sicher deutlich schmerzhafter gewesen.

Irrerweise haben sie jetzt wieder zum Teil mit dem selben Bullshit angefangen wie im März: erst mal angekündigt, dass die Läden ein paar Tage offen bleiben, dann bevor der erste überhaupt geöffnet hätte festgestellt, dass das doch “nicht praktikabel” sei. Ach nee. Am Donnerstag hieß es noch, Ausgangssperre bis Montag früh. Die einzigen, die das geglaubt haben, waren ein paar Neuankömmlinge, die das halbdutzendmalige “ab nächste Woche dürft ihr wieder raus”–“ah nee, jetzt doch noch nicht, wartet noch ne Woche”-Spiel vom Juni noch nicht kannten. Jetzt ist natürlich schon mal eine Woche verlängert.

In den Monaten ohne Community-Ansteckung sind ein Haufen Leute sehr unvorsichtig geworden v.a. was Masken angeht, und die erwähnte Texilfirma hat auch ganze Arbeit geleistet: statt ihre auffällig hustenden Arbeiter mal zum testen anzumelden, haben sie wahrscheinlich geglaubt, es gibt ja in Sri Lanka eh kein Covid, kann ja alles nicht so schlimm sein. Die Vorstellung von einer Betriebsschließung für den Fall dass doch was gefunden würde hat sie in diesem Glauben sicher noch bestärkt. Jetzt sind es innerhalb von ein paar Wochen mit über 5000 aktiven doppelt so viel Infizierte wie in den ganzen Monaten vorher. Von da her wird es bei der Woche auch nicht bleiben.

Poya Day

Einmal im Mondmonat, zum Vollmond, ist hier “Poya Day", ein buddhistischer Feiertag, wo kein Alkohol und kein Fleisch verkauft werden darf. Unser Supermarkt um die Ecke löst das so: Poya day at SPAR

Aber ganz wie beim Karfreitagsfisch wird das Verbot natürlich so wörtlich wie möglich genommen: Fleisch wird keins verkauft, aber von Wurst steht nichts in den heiligen Schriften!

Dass das “panierte Hühnchen” im obersten Fach kein totes Tier enthält, würde ich ihnen gerade noch abnehmen.

Engrish

As long as I don’t have anything original to write, why not have an Engrish post again?

Let’s start with some Burmese signage: toilet for foreigner and usual person I’m not sure whether I’d rather be in the “usual” or the unusual category. If I had a choice that is.

high class toilet FOC gentle foreigners.

nuclear catastrophe overcome pagoda I literally have no idea what this is, although not unexcpectedly the sign is quite famous

addvertising In Sri Lanka: add your add, we write it write.

beuaty Just beuatiful.

love in laos I’m sure these Korean students at Vientiane airport want to say something like “I ❤ Laos”, but it comes across more like a dating trip.

no sit down If you ever need to demonstrate the significance of commas …

paridise I assume “paridise” is a lovely birthplace? Good that someone took it upon themselves to correct the spelling though.

re pail shep One mighty slack cruiser you have there.

Back to our beloved Chinese made products:

absorb wall Almost an apt description.

am yakuza Today’s output of the Random Soccer Player Name Generator.

bar respect is mueaqy I never knew what bar respect is. TIL.

building blocks of registering Hah! Your Blade of Darkness and Cloak of Hiding are no match for my Blocks of Registering!

color baby You mean my baby should become a racist, right?

ersurenstlater vest I didn’t know they still made ersurenstlater vests in the US.

house circles the bead When you’re 3+ you should get what’s circling what here.

i health new espousing Espousing the way of lift.

liminted ironman3mkvii What a coincidence to find this ulntra-nare liminted Iron Man on Vientiane’s night market!

mariboro Greetings from the maddyslexic hatter!

matingwadufs You’re mating with what?

mufti purpose suckers For sucking off all kinds of muftis.

ninja tortoises This is one of the rare cases where the knockoff is more technically correct than the original!

no use design Also, not to be used for the other use!

nobleness hard seat Someobody please explain to me why they don’t simply copy the signs instead of going to such lengths to come up with silly though occasionally perfectly spelled ones of their own.

notionol Notionol usually makes softie brokers, but they also dabble in the electrical installation business.

representative of fashion leading Everybody has heard of XX, right? It’s what literally all the women have these days.

rosting house Where the chicory comes home to rost.

selfie stick Edible selfie sticks! (for small values of edible)

strengthened the special curvature of fat burn Be careful, while the fat burn you might accidentially your g-spot!

the jorld is in my inind Is that what the kids are calling it these days?

Kollateralzensur

Offiziell sollte die Social-Media-Blockade schon wieder aufgehoben sein, aber das Memo haben wohl noch nicht alle Provider bekommen. Und die üblichen Kollateralschäden gibt’s natürlich auch, gerade habe ich mit OpsGenie einen gefunden, das ist an der Arbeit unser Alarm-Router für’s Server-Monitoring:

OpsGenie-Block

Der Connection Reset kommt mit einer anderen TTL als die restlichen Pakete von denen, da pfuscht also mit Sicherheit jemand dazwischen. Gut, dass das nur bei Dialog so ist – mein Handy habe ich bei Mobitel, und da funktioniert’s. Wäre doof, Arbeitswerkzeuge über TOR routen zu müssen.

Fängt ja gut an

Also, Sri Lanka jetzt. Hat ja vermutlich jeder schon mitgekriegt, der hier gelegentlich mitliest.

Dass wir da mitten in einer Krisenregion landen, war eigentlich nicht so gedacht. Wir sind sogar etwas früher als geplant angekommen, mit dem Vorsatz, die eigentlich obligatorische Vorbereitungsphase dann Anfang Juni nachzuholen. Wegen der früheren Einreise waren unsere Residence-Visa erst mal nicht fertig, also ist Cristina mit Businessvisum und Leo und ich als Touristen angekommen. Zwei Wochen in einem Airbnb-Haus, mit Maklern Dutzende von Häusern anschauen (in Wohnungen nehmen sie uns hier generell nicht wegen der Katzen) und sich in der Stadt orientieren, das klappt schon alles ziemlich routiniert, ist ja nicht das erste Mal. Am Ende hat wieder eins der ersten Häuser den Zuschlag bekommen, das wir angeschaut hatten: etwas ab vom Schuss (no pun intended) und direkt am Naturschutzgebiet mit Eisvögeln am Wasser und Affen, die übers Dach turnen. Das ganze in Sichtweite vom Parlament, also eher eine sichere Gegend, und fast Laufentfernung zur Schule. Super.

Das Langzeit-Visum zu besorgen ist ja eigentlich einfach: ausreisen zur nächstgelegenen srilankischen Botschaft und mit dem richtigen wieder rein. Die nächstgelegene ist hier in Malé (nicht zu verwechseln mit Malle), da beschwert man sich auch nicht unbedingt, da mal hin zu reisen. Nur als wir da waren hieß es, schade, Visum gibt’s keins, denn: die Bestimmungen sind geändert worden und man bekommt das jetzt nur noch dort, wo man selbst einen Aufenthaltstitel hat – wir also in Deutschland. Hätten sie vielleicht auch mal vorher sagen können. Also Dienstreise nach Deutschland, immerhin auf Kosten der Steuerzahler. Und kaum dort angekommen, jagen die Idioten im zehn Jahre lang ziemlich friedlichen Colombo diese Kirchen und Hotels in die Luft.

Obwohl wir den Aufenthalt in Deutschland noch fast zwei Wochen verlängert haben, um die Kacke etwas abdampfen zu lassen, ist hier noch deutlich dicke Luft. Gottesdienste sind eine Weile ausgefallen und christliche Schulen wie die unserer Nachbarskinder haben z.T. aus Angst vor Folgeanschlägen immer noch zu, und auch in Leos Schule haben sie ganz krasse Security aufgefahren. Da stehen jetzt immer mindestens vier Typen mit Kalaschnikovs vor dem Tor, außer Lehrern und Schülern kommt keiner ohne telefonische Voranmeldung überhaupt rein, und alle werden gefilzt. Wobei das “krass” natürlich auch relativ ist – Metalldetektoren und bewaffnete Lehrer wie in Florida haben wir noch nicht und werden wir auch nicht kriegen. Die Folgeanschläge haben zum Glück bisher auch nicht stattgefunden, dafür marodieren jetzt christliche und buddhistische Mobs herum, zünden Moscheen an und versuchen vereinzelt, Moslems abzustechen. Die nächtliche Ausgangssperre, die sofort nach den Anschlägen verhängt wurde, war bei unserer Ankunft schon wieder aufgehoben, ist mittlerweile aber wieder z.T. in Kraft gesetzt worden. Je nach Lage verhängen sie die nur in bestimmten Orten oder auch mal wieder landesweit wie heute. Weil sich die Mobs wie mittlerweile üblich bevorzugt auf Social Media zusammenfinden, werden die jetzt auch regelmäßig und flächendeckend abgeschaltet – Facebook gleich als erstes, WhatsApp und Viber auch, mittlerweile auch der hier nicht so beliebte Twitter. Offenbar werden die Provider verpflichtet, da eine Firewall zu aktivieren und bestimmte IPs zu erden – das ist keine simple DNS-Umleitung. Natürlich wissen mittlerweile Hinz und Kunz über Orbot, VPN & Co. Bescheid, aber die übelsten Hohlbirnen scheint das zumindest die ersten Tage etwas gebremst zu haben. Wie effektiv das jetzt noch ist – keine Ahnung. An sich wäre ich ja bei solcher Zensur sehr dafür, möglichst vielen Leuten etwas Nachhilfe in Sachen Anonymität im Netz, Verschlüsselung etc. zu geben, aber wenn die das nachher benutzen, um sich auf Fratzenbuch zusammenzurotten und Leute zu erschlagen, dann lass ich das doch lieber bleiben.

Bleibt abzuwarten, wie weit das jetzt noch hochkocht. Der Konflikt in Sri Lanka war ja eigentlich nie ein religiöser: die Tamilen sind mehrheitlich Hindus, ein paar Moslems, Christen und Buddhisten gibt’s aber auch; noch mehr sind die Sinhalesen gemischt, bei denen die meisten Buddhisten aber auch größere Minderheiten Moslems und Christen sind. Dass die Animositäten wie üblich ökonomischer Art waren, kann man schon nach einer halben Stunde im Land leicht raten. Die Sinhalesen sind generell die hellhäutigere Mittelklasse, die brauneren Tamilen eher die Proleten. Die krassesten Benachteiligungen wie Tamil gar nicht als gleichwertige Landessprache anzuerkennen sind z.T. schon vor dem Bürgerkrieg langsam beseitigt worden. Fundamental geändert hat sich das natürlich alles nicht, aber die Grenzen verlaufen nicht mehr so klar an den ethnischen Trennlinien. Und da die klaren, praktischen Feindbilder mit dem Bürgerkrieg offiziell eh abgeschafft worden sind, suchen sich die Unzufriedenen jetzt halt andere Sündenböcke, Religion wird da ja immer gern genommen.

Regierung und Opposition schwingen die Tage die gleichen markigen Worte, dass das alles gar nicht geht und auch sämtliche religösen Führer rufen natürlich dazu auf, gefälligst mal die Bälle flach zu halten, aber so einige ignorieren mittlerweile schon Ausgangssperren, ohne dass die Polizei das effektiv verhindert.

Es bleibt also spannend. Immerhin kriegen wir diese Woche unser Visum und können dann auch endlich den Umzugskram in Empfang nehmen, ohne den wir seit mittlerweile einem Vierteljahr auskommen. Endlich wieder fahrrad-mobil!

Hugo

Die Community von Chronicle lässt etwas zu wünschen übrig; genau genommen scheint sie aus dem Autor und mir zu bestehen. Darum habe ich jetzt beschlossen, mit Hugo mal etwas mainstreamigeres einzusetzen, das im Prinzip das selbe macht und dazu noch ein paar Größenordnungen schneller. Damit habe ich auch die Hoffnung, dass ich hier ohe wüste Hacks eine Site hinbekomme, wo ich auch mal anderssprachige Artikel (naja, realistischerweise halt englische) veröffentlichen kann und die automatisch in einem eigenen Feed für die jeweilige Sprache landen.

Team Dai Challenge 2018, Day 2

Heute waren wir doch wesentlich länger unterwegs, drum werde ich auch nicht allzuviel mehr schreiben.

Los ging’s kurz nach 6 im Regen. Gestern war’s schon ziemlich windig gewesen und irgendwer meinte beim Wetterdienst (mir war gar nicht klar, dass es sowas hier gibt, aber offenbar decken die Thais mit ihrem Regenradar auch einige laotische Grenzgebiete mit ab) gelesen zu haben, dass es einen Sturm geben soll. Das hat niemand ernst genommen, weil der letzte “Taifun” sich auch als laues Lüftchen herausgestellt hat, aber zumindest hat’s die Nacht ūber geregnet, was um diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist. Am Morgen dann auch noch mal etwas.

Start im Regen

Zum Glück war der Regen schon zuende, als wir auf die Dirt Road in die Berge eingebogen sind, aber mächtig matschig war’s trotzdem.

Matsch

Erste Reparaturen ließen nicht lang auf sich warten, v.a. Ketten und Umwerferprobleme.

Erste Reparaturen

Stop im Hmong-Dorf, gar nicht weit von dem, wo wir letztes Jahr von der Polizei aufgehalten wurden. Drum haben wir uns auch zügig wieder vom Acker gemacht.

Hmong Village

Aber nicht ohne Späss’

Hörner

Das öffentliche Telefon mussen wir auch ausprobieren. Der Hörer geht nicht, nur der Lautsprecher.

'Telefonzelle' Dorfbewohner

Auf dem Weg waren diverse Flussdurchquerungen nötig. An einigen Stellen konnte man sich aber auch entscheiden, ob man über die wacklige Hängebrücke oder durchs Wasser fahren wollte.

Flussdurchquerung Tal

Über die Brücke fahren und nachher Rdl säubern geht natürlich auch.

Fahrradreinigung Fahrradreinigung 2 Hängebrücke

Schaulustige am Wegesrand

Zuschauer Zuschauer

Mary, Andi und der “Chinesische Büffel”

Chinese Buffalo

Endlich nach 104 km ziemlich fieser Wege am Ziel: Kham grillt Catfish.

Grill